03.11.19 - Robert Zandvliet: Einzelausstellung in der Galerie Knoell / Neue A4-Arbeiten auf "Feral Eye"

Anlässlich der ersten Einzelausstellung mit dem schlichten Titel "63 x 72" in der Galerie Knoell in Basel, die ich in enger Zusammenarbeit mit der Galerie mitkonzipiert habe und welche am 22. November 2019 mit einer Vernissage eröffnet wird (Der Künstler wird anwesend sein...), können wir auf Feral Eye exklusiv eine brandaktuelle Gruppe an Malereien auf Papier präsentieren. Diese Arbeiten zeichnen sich nebst dem zum Teil impressionistischen Charakter, der sich nun auch auf dem A4-Format mehr und mehr niederzuschlagen scheint, vor allem durch den nun fast permanenten Einsatz von Eitempera als auch Ölfarbe aus. Diese Kombination an Malstoffen war bis vor ca. drei Jahren noch eher untypisch für Robert Zandvliet, doch kündigten schon seine Tempera- und Tuschmalereien Ende 2017/Anfang 2018 von seinem gesteigerten Interesse, nebst neuen Farbpaletten nun auch vermehrt Mischtechniken zu erforschen. Zuerst aus rein formalen (und auch aus kunsthistorischen) Gründen prinzipiell vermieden, bricht Robert Zandvliet nun bewusst mit einer "Konvention" und begibt sich hiermit auf weiteres unbekanntes Terrain, in welchem er aber einmal mehr auf erstaunlich energiegeladene Bildlösungen stösst.

 

Autor: Carlo Magno (03.11.19)

-------------------------------------------------

 

05.11.19 - René Korten: Aktueller "Artist in Residence" im Vincent Van Gogh Haus, Zundert (NL)

Nähe dem "Küster Haus" (siehe Foto), welches aus der Zeit von Vincent van Gogh stammt, wurde ein neues Gästestudio errichtet. Dieses Studio wird regelmässig für einen bestimmten Zeitraum einem Künstler aus dem In- oder Ausland zur Verfügung gestellt, der auf den Spuren von Vincent van Gogh wandelt und so Arbeiten schafft, die von diesem Ort inspiriert sind. Die Künstler bleiben während der Zeit, in der sie als "Artist in Residence" auserkoren wurden, im Haus der Küster wohnen. Aktuell darf dies René Korten, der im Anschluss an seine Zeit im Ateiler alle dort entstandenen Arbeiten vor Ort in einer Werkschau präsentieren wird.

 

Autoren: René Korten/Carlo Magno (01.11.19)

-----------------------------------------------------

30.10.19 - René Korten: "And Skin" - Neue von Gegensätzen geprägte Arbeiten auf Papier

"And Skin", Nr. 17
"And Skin", Nr. 17

René Korten arbeitete schon seit Anbeginn seiner Laufbahn als Künstler kontinuierlich mit und auf Papier und kann unterdessen auch schon auf eine grosse Anzahl an fertigen Blättern und Werkgruppen zurückschauen. Wer sich hierzu einen guten Überblick verschaffen möchte, dem empfehle ich, auf seiner persönlichen Webseite vorbeizuschauen, wo unter anderem auch die Entwicklung seiner Papierarbeiten in Bildgalerien ausladend illustriert wird. Doch in meinen Augen gelingt Korten nun mit "And Skin" auf dem A4-Format etwas, was ich als eine signifikante Weiterentwicklung seiner visuellen Übermittlungsfähigkeiten und als einen weiteren bemerkenswerten Kulminationspunkt in seinem künstlerischen Schaffen betrachte, welcher aus meinem subjektiven Empfinden heraus primär darauf fusst, dass er es auf diesem kleinen Blättern nun mit klaren, vermeintlich simplen Gesten vermag, eine organische, ja fast schon auffällig lebendige Komponente mit einzuarbeiten, die in den vielen vorangegangenen Serien auf Papier nicht zu erkennen und wohl auch nicht Ziel seiner Untersuchungen war und deren Erzeugnisse oft eher einen kühlen, technisch kalkulierten Effekt im Auge des Betrachters hinterliessen.

 

Wie René mir vor einigen Monaten erklärte, fand er die entscheidende Inspiration zu "And Skin" zuerst in der Qualität und der praktischen Anwendung zweier neuen Acrylfarben (ein neues "Schwarz", ein neues "Weiss"...). Beim Experimentieren offenbarten sich ihm - für diese "Farbtöne" eher untypische - Eigenschaften, die es ihm in Folge ermöglichten, auf bereits bestehende Farbschichten sehr feine, lasierende Schichten aufzutragen, die die darunterliegenden Schichten nicht komplett zudeckten und gar erstickten, was bei der Verwendung von schwarzen oder weissen Pigmenten oft vorkommt. Der Künstler sprach in unserem Studiogespräch in Tilburg dann gar von haut- oder membranähnlichen Eigenschaften, die diese neuen Farben an den Tag legten. So war es auch gerade dieser eine technische Aspekt, der ihn dazu anregte, eine Serie von Arbeiten zu schaffen, welche sich vor allem durch die visuelle Darlegung von Gegensätzen lesen lassen sollte, seien diese schlicht von materieller oder räumlicher Natur, den kalten oder warmen Farben gezollt oder einfach durch gezielte formale Kontrapunkte angefacht.

 

René Korten meinte in einem Interview, welches er in s'Hertongenbosch (NL) gab, selbstredend: "..."And Skin" ist eine neue Gruppe von Arbeiten auf Papier, die nur auf wenigen Schichten Farben aufbaut und eine relativ einfache Zusammensetzung an Materialien aufweist. Man kann auf allen Blättern spezifische Formen und Gedanken festmachen: "Was ist Körper und was Geist, wohin gehen wir und was lassen wir zurück; und wie transformieren wir uns? Ich sehe das Leben als fortgehendes Zusammenspiel von Gegensätzen. Ich möchte, dass dies in meiner Arbeit widerhallt. Zärtlichkeit und Härte, Wellenförmiges und Verwinkeltes/Kantiges, Verbindendes und Abgrenzendes, Auferstehung und Verfall, Schönheit und Gewalt, Leben und Tod..."

 

Autoren: Carlo Magno/René Korten (30.10.19)

-----------------------------------------------------

24.08.18 - René Korten: "Hope Road"

Eine Sicht auf vermeintlich dystopische Acrylmalereien des in Tilburg (NL) dozierenden Kunstprofessors...

In seinem grossen, über sechzig Arbeiten umfassenden Gemäldezyklus, welcher 2010 bis 2014 entstand, näherte sich der niederländische Maler René Korten dem Thema einer modernen Landschaft intuitiv von zwei diametral gegenüberliegenden Warten aus. Ob er in Folge - je nach Ausarbeitung - den Fokus primär auf die unbescholtene und sich selbst überlassenen Seite der Natur legte oder auf jene, die mit den abrasiven Interessen der Industrie (und somit mit den gewaltigen, unterordnenden Schöpfungskraft des Menschen) im Konflikt steht, ist einerlei: Er betrat mit dieser Werkgruppe, trotz der zuweilen sehr abstrakten Ansätze, eine irritierend realistische und hochaktuelle Grauzone.

 

Wer wie ich viel mit dem Zug pendelt und fast täglich den gleichen Weg zur Arbeit nehmen muss, dem wird es trotz der Beiläufigkeit und der Routine, mit der man an den gewohnten Landschaften in hohem Tempo vorbeizieht, nicht entgangen sein, dass Natur und Mensch sich zwar gegenseitig permanent konditionieren und somit zwangsläufig in einem steten Dialog stehen, auf der anderen Seite aber in der Kombination auch oft eine latente Disharmonie entfalten können, welche bei genauerer Betrachtung alles andere als symbiotisch, ja gar ungesund erscheinen muss.

 

Zu verschieden sind Rhythmen und Anliegen: Wo der Mensch in Tagen, Monaten und Jahren rechnet und um seiner selbst willen so viele Zeichen seiner Präsenz wie möglich hinterlassen möchte, in denen er sich in Folge auch spiegeln und wiedererkennen kann, da manifestiert sich die Natur gleichmütig und vor allem wertefrei in Jahrtausenden, Jahrmillionen andauernden Schöpfungswellen.

 

Auf dieses situative Spannungsfeld reagiert Korten schon im ersten Arbeitsschritt, indem er ganz bewusst durch ein von formalen Zwängen losgelöstes, freies Auftragen von Acryl auf MDF-Platten den Zufall mit einbringt, welcher - anders als die diversen ordnenden Kräfte in der Malerei - nichts Wertendes kolportiert, sondern ganz natürlich permutierend einem Lauf folgen kann. In einer zweiten Phase greift der Maler jedoch korrigierend ein und übernimmt bei der weiteren Gestaltung die Kontrolle, indem er mit Rakel sowie Spatel begradigend und ordnend auf den Malflächen interveniert. Die Eingriffe scheinen so kühl und berechnend angebracht worden zu sein, dass der Betrachtende einstweilen dazu neigen könnte, sich von dieser vermeintlich unnatürlichen "Reorganisation" emotional distanzieren zu müssen, denn sie verweist schon fast auf vertraute Weise auf jene typischen Spuren, die der Mensch bei der Besiedlung und der folgenden Ressourcenschöpfung zu hinterlassen pflegt.

 

Korten schenkt in seinen Acrylgemälden aber ohne Zweifel auch ganz bewusst der pragmatischen Ästhetik von vermeintlich domestizierten und von Menschenhand umorganisierten Landschaften so viel Aufmerksamkeit, dass sich mir bei wiederholtem Betrachten der Hope Roads schon bald die Frage stellte, ob die dargestellte Konkurrenzsituation zweier scheinbar so gegensätzlich emanierender Schöpfungskräfte nicht vielleicht doch einem facettenreicheren Zweck dienen könnte als jenem offensichtlichen, in allem lediglich Unvereinbares, Unheilvolles erkennen zu wollen.

 

Obwohl der Maler dem Betrachter mit diesen Ansätzen schon genug Raum für eine eingehendere Auseinandersetzung bietet, scheint er mit den Hope Roads darüber hinaus auch der masslosen Geschwindigkeit ein spezifisches Gewicht zu geben, einer Kraft, die aktuell wohl wie keine zweite auf unsere Wahrnehmung Einfluss nimmt. Korten bewerkstelligt dies, indem er dem Auge des Betrachters im grössten Teil seiner Arbeiten keine fixen Ruhepole setzt und die Landschaften so sehr in die Horizontale verzerrt, dass sie am Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes vorbeiziehen und mit ihnen auch alle statischen Versatzstücke, welche dem Auge beim Betrachten Sicherheit verleihen könnten. Da Korten in dieser Bildgruppe auch auf die explizite physische Präsenz des Menschen verzichtet und der technische Verwischungseffekt zuweilen so sehr gesteigert ist, dass über fast allen Arbeiten ein Schleier der Anonymität und Orientierungslosigkeit zu liegen scheint, hängt den Bildern zugleich etwas Anregendes, Faszinierendes, aber auch Unbehagliches nach. In all diesen Widersprüchen steckt - nebst dem gekonnt lasierenden und schwer lesbaren Auftrag Kortens - die Magie der "Hope Road"-Gemälde, die gleichermassen aktuell, wie unnahbar scheinen und von einer vermeintlichen Dystopie erzählen, die es vermag, frische Reizpunkte zu setzen und vor allem dazu anhält, sein eigenes ästhetisches Empfinden nochmals gründlich zu überdenken.

 

Autor: Carlo Magno (18.08.18)

-------------------------------------------------

 

20 aktuell verfügbare Arbeiten der "Hope Road"-Serie sowie zwei grossformatige Malereien finden Sie auf der "RENÉ KORTEN AUF MDF"-Seite.


12.03.18 - Robert Zandvliet: Fünf-undvierzig kolorierte Tuschmalereien auf Sumi-e Papier

Der virtuose niederländische Maler im Spannungs-feld zwischen abendländischen und fernöstlichen Traditionen...

Es ist mir - nachdem ich mich nun schon so lange passioniert mit seinem erstaunlich komplexen Werk auseinandersetze - eine besondere Freude, auf Roberts Wunsch hin in der Schweiz eine exklusive Werkgruppe von 45 kolorierten Tuschezeichnungen auf handgeschöpftem Papier anbieten zu können, die die bereits virtuose, vielschichtige Palette an Maltechniken und Herangehensweisen des Künstlers um eine kraftvolle und - wie ich finde - zugleich sinnliche Komponente erweitert.

 

Robert Zandvliet entwickelte schon früh grosses Interesse an unterschiedlichsten Kultur- und Kunstströmungen, welches zuweilen auch weit über die europäische Malerei hinausgeht. Unter dieser Prämisse verwundert es nicht weiter, dass er sich unter anderem auch seit über zwei Jahrzehnten intensiv mit der traditionellen japanischen und chinesischen Malerei auseinandersetzt, insbesondere mit jener auf Papier - angefangen mit Hokusais Schwarz-Weiss- und Farbholzschnitten. Und er tut dies in für ihn typischer Manier, nämlich ohne je die klassisch niederländische "Identität" sowie ihre Maltraditionen aussen vor zu lassen und diese dann auch ganz bewusst mit in die nächsten Werkgruppen zu tradieren.

 

Um seine Wahl der Materialien und der angewandten Techniken für diese spezifische Werkgruppe besser einordnen zu können, lohnt es sich, einen Blick zurück in die Geschichte der japanischen Tuschmalerei zu werfen: Sumi-e (jap. "Tuschebild") ist die traditionelle Schwarz-Weiss-Kunst der Tuschmalerei (jap. Sumi "Tusche"). Sie wurzelt in der asketischen Haltung der Zen-Mönche und arbeitet mit sparsamsten Mitteln. Sie will mehr andeuten als aussprechen und ist in ihrer Weltdistanziertheit der Gegenpol zur lebensfrohen Kunst des Yamato-e, der ästhetisierenden Kunst der frühmittelalterlichen Feudalzeit Japans.

 

In diesem Fall ergänzt Robert Zandvliet - und das ist aus kunsthistorischer Sicht ein absolutes Novum - zur Kolorierung die Tuschmalereien mit Farbmaterialien, die primär in der europäischen Maltradition Einzug gefunden hatten: Eitemperafarben. Eitemperafarben werden traditionell zum Malen von Ikonen und als Untermalung von Ölbildern in der Lasurtechnik verwendet, fanden aber auch schon im Altertum, etwa bei Mumienportraits, Verwendung. In der Geschichte der Malerei ist die Eitempera die älteste Form, die Farbpigmente mit einem Malmittel zu binden.

 

Mit der bis anhin einmaligen Zusammenführung von Tusche und Tempera auf Papier und dem - nebst Pinseln - erstmaligen Einsetzen von Malrollen auf handgeschöpften Farbträgern legt Zandvliet auf diesen 45 Blättern eine Intensität und Virtuosität an den Tag, die trotz der zum Teil offenkundigen Vehemenz seines Farbauftrags die Schlichtheit einer traditionell japanischen/chinesischen Tuschmalerei beibehält. Die dabei entstandene Werkgruppe ist trotz der bewussten technischen Anlehnungen aber nicht per se als Hommage an das klassisch japanisch-chinesische Kunsthandwerk zu verstehen, sondern auch als befreite, von akribischer Planung losgelöste, instinktive Erweiterung seiner Signatur und nicht zuletzt als Rückblende auf bereits geschaffene, umfangreiche Werkgruppen, in welchen er Themen wie Berg- und Seelandschaften, Wege, Bäume und Bachläufe auf grossen wie kleineren Formaten immer wieder neu interpretierte.

 

Autor: Carlo Magno (12.03.18)

-----------------------------------------------

 

Eine Auswahl der verfügbaren Arbeiten finden Sie auf der "ROBERT ZANDVLIET AUF SUMI-E"-Seite.